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Unser letzter Schultag

Heute sind wir verabschiedet worden und es ist eine wundervolle Erfahrung gewesen, mit diesen jungen Asiat:innen (Japan, Taiwan, Südkorea, Thailand,…), Lateinamerikaner:innen (Mexiko, Argentinien, Kolumbien, Uruquay,…) und Menschen (eher junge Männer) von der arabischen Halbinsel zusammen zu lernen. Wir waren, neben einer Spanierin, die einzigen Europäerinnen und sind toll aufgenommen worden. Die meisten sehr nett, offen und auch interessiert an uns. Ein japanischer Teilnehmer meinte, dass er hofft, wenn er älter ist, auch noch in andere Länder zu reisen und dort zu lernen. Durch diesen Austausch wird einer/m bewusst, in welch einer Sicherheit wir gerade leben und was andere, v.a. junge Menschen in Bezug auf ihre Wünsche, Zukunft und ihre verschiedenen Heimaten umtreibt.

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Englisches Wetter…
…oder doch subtropisch kalt gemäßigtes Klima auf der Nordinsel? Es nennt sich Lorbeerwaldklima und ist eines der regenreichsten Gebiete der Welt. Dies erfahren wir täglich am eigenen Leibe. Hier nennen sie es „Four seasons in one day“. In der Schule ist vielen auch zu Hause kalt, es begegnen einer jedoch immer wieder die Hartgesottenen, die draußen in kurzen Hosen herumlaufen oder mit halbfreiem Oberkörper joggen. Selbst im Stadion, wo wir in Daunenjacke frieren, sitzen manche in kurzen Hosen. Es fühlt sich irgendwie nach „Regenzeit“ an, die Blätter der (europäischen) Bäume sind zwar herabgefallen, trotzdem blüht es an vielen Stellen, selbst Kamelien in Blütenpracht haben wir schon gesehen.

Und da wir fleißige Schülerinnen sind, gibt es für heute erst einmal nicht mehr zu berichten.

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Eine Geschichte
Bevor der Skytower gebaut wurde, war der One Tree Hill (Maungakiekie) das markante Zeichen Aucklands. Früher haben tausende Polynesier dort gelebt und einen heiligen Baum auf dem Vulkankegel verehrt. Später wurde das Gebiet Privatbesitz und auf die Spitze eine europäische Kiefer gepflanzt. Im Jahre 2000 hat ein Maori versucht, diesen Baum zu fällen, um ein Statement abzugeben: die Pinie gehört nicht hierher, die Maori haben eine andere Vorstellung von Land, dass nicht besitzt werden kann. Dies ist ein Beispiel dafür, dass sich die Kultur im Lande wandelt. Der Name New Zealand wird über kurz oder lang durch Aotearoa ersetzt werden, da viele Namen für die Menschen hier keine Bedeutung haben. Ein Niederländer fühlte sich beim Anblick des Landes an Seeland erinnert, die Stadt nach einem englischen Lord Auckland benannt und die britische Krone weit weg. In den Bussen werden die Haltestellen auf Maori und Englisch ausgerufen und die Straßen in der Zukunft Maori-Namen bekommen. Das Land sucht nach einer eigenen Identität.

Heute soll, so raunen die Stimmen, der kälteste Tag des Winters sein (7°C) und dementsprechend kühl war es im Stadion (Spanien gegen Sambia). Aber die Stimmung gut, viel Unterstützung für beide Teams und nach der Anfangsviertelstunde ein gutes Spiel, auch wenn die Sambierinnen viele Tore zu verkraften hatten. Leider musste eine ihrer Spielerinnen verletzt vom Platz getragen werden (sah sehr ernst aus).

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Arme Vögel

Vor langer, langer Zeit sind die neuseeländischen Inseln von allen anderen Kontinenten und Erdmassen getrennt worden, so dass sich Pflanzen und Tiere ganz für sich entwickeln konnten und deshalb heutzutage zu den außergewöhnlichsten der Erde gehören. Kennzeichnend ist das Fehlen jeglicher Landsäugetiere, außer einigen Fledermausarten. Deshalb haben sich die von Kolonialisten mitgebrachten Nutz- und Haustiere sowie Ratten unwahrscheinlich schnell ausbreiten können. Es hatten sich viele flugunfähige Vögel, wie beispielsweise der Kiwi oder der Kakapo, entwickelt, die zur leichten Beute wurden. Die Neuseeländer:innen möchte ihre Naturschätze schützen, weshalb bei der Einreise mit Spürhunden nach Erde (in der Samen stecken könnten) gesucht wird. Wanderstiefel und alles, was sich in der Natur befunden hat, muss deklariert werden. Das Nichtbefolgen gilt als Vergehen, das zur sofortigen Rückreise führen kann. Neuere politische Bewegungen möchten wieder zu einem ursprünglicheren Zustand zurückkehren, was heißen soll, dass Ratten und Katzen der Insel verwiesen oder Schlimmeres werden sollen. Damit sind nicht alle einverstanden.
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Englisch lernen
In aller Frühe haben wir heute unseren einwöchigen Englischkurs angetreten. So haben wir gelernt, dass ein kultureller Unterschied beispielsweise das Thema Heizung sei: in Deutschland sei es draußen kalt und in den Wohnungen warm. In Neuseeland bzw. Auckland sei es draußen kalt und drinnen noch kälter, da v.a. in den alten Gebäuden keine adäquaten Heizsysteme existierten und Innenräume nur über Heizlüfter oder ähnlichem gewärmt werden würden. Desweiteren habe ich ein neues Wort gelernt, „ram-raid“, ein typisches Verbrechen auf Neuseeland, das bedeutet, mit einem Auto in einen Laden zu fahren und diesen dann auszurauben. Auch unter Jugendlichen beliebt.

Regenbögen waren bisher noch rar gesät, hier ein kleines Fundstück in der K-Road. Das Fußballspiel Italien-Argentinien hat uns sehr erfreut, v.a. die erste Halbzeit war spannend. Die Stimmung ausgezeichnet, schon bei der argentinischen Hymne sang das halbe Stadion mit und eine große Gruppe von blau-weißen Fans stimmte Lied um Lied an und trommelte sich durch beide Halbzeiten. In der Pause gingen die Handylichter an, das Stadionlicht ausgeschaltet – und es schienen die Sterne um uns herum.
Und Deutschland gegen Marokko….das Internet ist ausgefallen….seufz.
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Ein wenig Innenstadt

Die City wird durchzogen von der Queen Street (Waihorotiu), der Königin der Straßen. Gesäumt von alten und neuen Gebäuden, beispielsweise aus der Gründerzeit oder der Art-Decó-Zeit, aber auch ganz modernen.

Ganz oft riecht es in den Straßen nach frisch angebratenem Knoblauch, da bildet diese Gegend keine Ausnahme. Die Neuseeländer:innen sollen sehr stolz auf ihr vielfältiges Essen sein, was wir noch selbst erfahren möchten. Der neuseeländische Wein hat es schon auf die Bestenliste geschafft.

Schließlich sind wir noch in der WM-Fan-Basis gelandet, die ganz gemütlich gestaltet worden ist. Mit kleinen Tribünen, Sitzsäcken und mehreren Leinwänden. Das Schweden-Südafrika-Spiel ist von einigen Schwedinnenfans begleitet worden, deren lautstarker Enthusiasmus die anderen Zuschauenden zum Mitmachen oder zumindest zum Lächeln bewegt hat.

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Nationalsport versus Fußball

Der Sport, der hier dem europäischen Fußball gleichkommt, ist Rugby – neben Cricket. So lässt sich auch erklären, warum die WM-Spiele in Neuseeland nicht ausverkauft sind (im Gegensatz zu Australien). Im Park spielen Mädchen wie Jungen ein Turnier, begleitet von vielen Menschen am Spielfeldrand auf Campingstühlen und mit Verpflegung.

Vietnam, das erste Mal bei einer WM dabei, spielt gegen die USA – beide durch eine leidvolle Geschichte miteinander verbunden. Die Fans aber feiern gemeinsam ihre Teams. Immer wieder werden große rote Fahnen mit gelbem Stern über das Publikum ausgebreitet und die US-amerikanischen Fans bejubeln ausgiebig ihre Spielerinnen. Das Spiel: Die US-Frauen überlegen, aber irgendwie im Trainingsmodus mit der Übungsmaßgabe, möglichst dicht am Tor vorbei- oder darüber hinauszuschießen.

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Die nasse Katze oder Winter in Neuseeland

Seit gestern nach dem Fußballspiel regnet und windet es, mal mehr und mal weniger stark. Laut unserer Vermieterin (das Foto oben zeigt übrigens ihr Haus, wir wohnen hinten im Garten) ein ganz normaler Wintertag. Kein Wunder also, dass Neuseeland in Teilen so grün ist und das blühende und saftige Auenland unweit von hier gedreht werden konnte. Wäre es noch wärmer, würde alles einem Dschungel gleichen. Vor unserem Fenster turnt die Hauskatze Pearl im Regen herum und die Magnolien blühen. Kiwifrüchte haben wir leicht säuerlich in Erinnerung, wenn sie ganz reif sind, eher gummiartig, also: kann eine essen, geht aber auch ohne. Die neuseeländischen Kiwis sind größer, innen gelblich und richtig, richtig lecker – nur wenig vom Geschmack gleicht unseren importierten Früchten.

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Trauriges Auckland und frohes Neuseeland
Als wir uns heute beide nach sehr langem Ausschlafen langsam für den Weg ins Stadion bereitmachen wollten, wunderten wir uns schon, dass keine Busse in der City fahren sollten. Bei der Recherche nach der Ursache haben wir dann Folgendes erfahren:
Ein Mann hat in der Innenstadt, in der Nähe der Fan-Basis, auf einer Baustelle in einem Gebäude Menschen erschossen und andere verletzt. Dies ist ein trauriger Beginn der Frauen-Fußballweltmeisterschaft!
Trotz alledem pilgern viele Menschen ins Stadion – noch nie haben so viele ein Fußballspiel in Neuseeland gesehen (geschlechterunabhängig). Die Eröffnungszeromonie hatte berührende Momente und die Football-Ferns (die neuseeländischen Fußballfrauen) haben als Team einen tollen Fußball abgeliefert. Unsere neue Lieblingsspielerin ist Malia Steinmetz, auf die hoffentlich andere auch aufmerksam werden! Die Ferns haben übrigens ihr erstes Spiel überhaupt bei einer WM gewonnen (sie waren als Ozeanien-Meisterinnen schon oft dabei). Und auch die Wettergöttin hatte ein Erbarmen und ließ es erst regnen und stürmen, als das Spiel vorbei war.



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Erste Erkundung
Wir befinden uns nun also in dem bewohnten Gebiet (Neuseeland), dass am weitesten von Deutschland entfernt liegt – alles andere ist schon wieder näher dran! Auckland (oder auch Tamaki Makaurau in Maori) liegt auf einem Vulkanfeld, bestehend aus bestimmt 50 von ihnen. Übrigens sind nicht alle erloschen. Diese Vulkankegel zeigen sich zum Teil als grüne Hügel im Stadtbild. Dementsprechend sind einige rasante Anstiege zu bewältigen und Fahrradfahren wird hier zur sportlichen Herausforderung. Ein ganz schöner Ort in der Nachbarschaft ist die Ponsonby Road, eine lange Straße mit vielen kleinen, interessanten Läden, sehr belebt und zum Verweilen einladend. Megan Rapinoe ist hier auch schon gesichtet worden. Und wir haben den einzigen bzw. letzten Frauenbuchladen in ganz Neuseeland gefunden. Sehr freundlich, lässig, locker, nicht zu sauber und nicht so schick (hier erinnert mich die Stadt an Berlin), unser Vorort bestehend aus meist weißen Holzhäuschen, die an die Südstaaten mit ihren Veranden erinnern oder an die alten verzierten Badeortvillen in den Ostseebädern, alles nur in viel kleinerem Maßstab. Es versprüht einen imperfekten Charme, der zum Wohlfühlen einlädt. Und von hier der Blick auf die City:
