Gestern saßen wir in Singapur am Flughafen in Clubsesseln an einer Ladestation für elektronische Geräte und ich konnte einen Blogbeitrag verfassen. Heute sind wir wieder wohlbehalten in der Vergangenheit angekommen, ich sitze an meinem Küchentisch, keine Zeitverschiebung steht mehr zwischen uns und ich schreibe unseren letzten Eintrag. Die Zeit ist wie im Fluge vergangen und jetzt heißt es, sich zu verabschieden. Es hat Spaß gemacht, sich etwas zu unseren Tageserlebnissen auszudenken und die passenden Fotos dazu herauszusuchen bzw. diese Fotos vorher auch entstehen lassen zu haben. Es war schön zu wissen, dass es einige Mitlesende da draußen gab, die sich daran erfreuten. Bis zur nächsten außerordentlichen Reise…
Ein Besuch des neuen Botanischen Gartens, Gardens by the Bay, ist unbedingt zu empfehlen. An der Marina Bay ist eine riesige Fläche begrünt worden und utopische Bauwerke werden langsam von Pflanzen verschlungen. Ein Tag reicht nicht, um alles zu sehen, was für Nicht-Singapurer deutlich teurer ist als für Einheimische. Es gibt gigantische Gewächshäuser, eines davon das größte Gewächshaus der Welt.
Dort stehen tausendjährige Olivenbäume und sie haben die Temperatur so heruntergekühlt, dass wir wieder auffällig geworden sind, weil wir mit geschlossenen Jacken noch gefroren haben, während die anderen mit kurzen Hosen und Hemdchen unterwegs waren. Auch hier Orchideen in vielen Varianten, selbst am Flughafen haben sie im Innenbereich einen Orchideengarten angelegt.
Ein weiteres Gewächshaus könnte eine/r als Erlebnispark bezeichnen, mit blauen Avataren, Drachen oder ähnlichen Flugwesen, aber auch mit Wasserfällen von der Decke (50m hoch), Nebel in den Wolken und Pflanzen, die in diesen Nebelwäldern wachsen. Es war wunderschön, aber auch sehr befremdlich, da viele Menschen sich durch die Gänge schoben, Tierlaute eine/n immer wieder einmal erschreckten, zwischendrin eine sanfte Stimme ins Gedächtnis rief, dass die Pflanzen nicht angefasst werden durften, und andere (ziemlich eindrückliche) Hintergrundgeräusche eine/n nicht zur Ruhe kommen ließen.
Gestern unsere letzten Eindrücke von Sydney, das wir nun schweren Herzens verlassen müssen, um uns wieder ein Stückchen mehr unserem Zuhause zu nähern. Aber ein Wahrzeichen darf nicht fehlen.
Nun haben wir mal so eben den Kontinent gewechselt und machen nach einem langen Flug wieder Zwischenstopp in Singapur.
Einen Spaziergang haben wir nach Little India unternommen, das in den Abendstunden noch viel intensiver ist, als es schon am Tage war. Die Gerüche und vielen Restaurants, die Läden geöffnet und von Menschen durchströmt, Goldschmuck an allen Ecken und Blumenketten in allen Gößen, bunte Saris im Angebot, überbordende Eindrücke und Straßen voller Leben.
Das jüdische Museum in Sydney erzählt viele Geschichten, so auch die, wie jüdische Menschen nach Australien gelangt sind. England nutzte das australische Land als riesige Strafkolonie, in die auch jüdisch gläubige Engländer verschifft wurden. Die Vergehen bezogen sich auf Diebstähle aller Art, die aus heutiger Sicht sehr hart bestraft wurden (7 oder 14 Jahre, lebenslänglich). Eine Uhr zu stehlen konnte schon mit lebenslänglich bestraft werden. Mit den nachziehenden Siedlern entstand eine kleine jüdische Gemeinde, die vorwiegend aus dem englischsprachigen Raum stammte. Erst mit der Flucht vieler jüdischer Menschen aus Europa änderte sich dies. Heutzutage kommen viele dem jüdischen Glauben anhängende Menschen aus Russland, Südafrika und Israel nach Australien.
Ein anderer Teil des Museums hat die Geschichten von Überlebenden des Holocausts aufgezeichnet, um in Erinnerung zu halten, welch Grausamkeit und Unrecht passiert ist – auch wenn sie schon längst nicht mehr da sind. Sie haben überlebt und konnten in Australien ein Zuhause finden. Sie haben gesprochen darüber, ob sie verzeihen können, was ihre ersten Eindrücke in Australien waren, über ihre Geschichte, ob sie Rachegefühle hatten, was sie den Jüngeren mitgeben möchten. Manche haben das erste Mal erst in einem hohen Alter über ihre Erlebnisse berichtet. Manche vermissen es, keine Verwandten gehabt zu haben, weil alle umgebracht wurden. Oder hätten sich eine Kindheit gewünscht, wie andere Kinder sie haben. Diese Interviews waren sehr berührend und aufwühlend. Und es stimmt eine/n traurig, dass selbst in Australien eine jüdische Einrichtung nicht frei zugänglich ist, sondern mit Sicherheitsabsperrungen gesichert werden muss.
Nachdem wir die letzten Tage mit reichlich Sonne beschenkt worden sind, hat sich die Wettergöttin heute etwas bedeckt gehalten und es auch ab und zu regnen lassen. Ein wenig durch die Straßen geschlendert sind wir trotzdem. Dabei sind wir auf diesen Gemeinschaftsgarten gestoßen. Davon gibt es mehrere über die Stadt verteilt, mit unterschiedlichen Themen (Permakultur, eigenes Obst und Gemüse anbauen, biologisch gärtnern,…).
Ob des Wetters haben wir den Neubau des Kunstmuseums von New South Wales besucht, der den First Nations, also den Aborigenes und den Einwohnern der Torres-Strait-Inseln, einen großen eigenen Bereich widmet. Viele staatliche Museen kosten keinen Eintritt, ebenso werden die Gemeinschaftsgärten von der Stadtverwaltung zur Verfügung gestellt und die Dichte von öffentlichen Toiletten (für die kein Eintritt erwartet wird und die dennoch sauber sind) ist um ein Vielfaches höher als bei uns.
Dieses Bild erzählt die Geschichte von jagenden Adlern, die traditionell in Bezug zu Frauen stehen, ihrer Stärke, dem Jagen und Beschützen. Es gibt aber auch Werke zu sehen, die einfach nur Kunst sind und sich dem kulturellen Bezug verweigern, beispielsweise „Merman“ (das männliche Gegenüber zu einer Meerjungfrau).
Eine Ausstellung hat sich dem „Traum-Zuhause“ angenommen, mit Künstler:innen aus aller Welt. Und hier schließt sich der Kreis: Ein neuseeländischer Beitrag hat sich mit dem Nachkriegsprojekt der Regierung beschäftigt, das Schutz für alle wollte und staatliche „Häuser“ (eher Mobilheime) bereit gestellt hat. Viele Maori konnten sich kein eigenes Land und Haus leisten, lebten auf den staatlichen Housing areas und waren ausgeschlossen von der Gemeinschaft. Traditionell gibt es ein hölzernes, geschnitztes Gemeinschaftshaus als Treffpunkt für alle, das mehr bedeutet als nur ein Gebäude, sondern hier „atmet die Welt oder die Gemeinschaft“.
Wir saßen bei 23° Grad draußen und haben lecker gespeist. So gestärkt konnten wir uns in die nahegelegene Nationale Kunstschule aufmachen, um uns Bilder von Elisabeth Cummings anzuschauen, einer der bekanntesten Künster:innen Australiens. Die National Art School besteht aus einigen runden Türmen, die jeweils einem Thema gewidmet sind (Keramik, Bildhauerei, Malerei,…) und in denen die jeweiligen Werkstätten oder Ateliers untergebracht sind.
Von dort aus sind wir zu unserem nächsten Ziel spaziert und durch Zufall in einer kleinen Kunstgalerie gelandet, die von Künstler:innen der First Nations, also von Aborigines, geführt wird. Diese leben in der Mitte Australiens, in der Nähe von Alice Springs. Eine sehr nette Frau führt die Galerie in deren Vertretung und hat uns viel über deren Kunst und die Bilder erzählt.
Da die Bilder ursprünglich immer in den Sand gemalt wurden, sind diese Malereien auch aus der Vogelperspektive zu betrachten. Sie können also nicht falsch herum aufgehängt werden! Es ist nicht eine pure Aneinanderreihung von Farben, sondern sie erzählen meist eine Geschichte, welche sich in einer bestimmten Landschaft abspielt und damit auch geografische Anhaltspunkte gibt.
Ganz beseelt von diesen vielen Eindrücken haben wir den Chinese Garden of Friendship besucht, den größten chinesischen Garten außerhalb Chinas. Übrigens ist der chinesische Garten in den Gärten der Welt in Marzahn den Mitarbeitern in Sydney bekannt gewesen. Der Berliner Garten ist der größte chinesische Garten Europas. Eingebaut von Hochhäusern kann eine/r in eine ganz eigene Welt eintauchen, an kleinen Wasserfällen entlang wandeln und an vielen Stellen großen Echsen begegnen.
Und um den Tag gänzlich abzurunden, haben wir noch eine Fähre genommen, um im Sydney Harbour nach Sonnenuntergang an der Harbour Bridge und dem berühmten Sydney Opernhaus vorbeizugleiten.
Wir haben es gemütlich angehen lassen und unsere Nachbarschaft erkundet. Schon auf dem Biomarkt ist uns die hohe Dichte von queeren Menschen aufgefallen und dies hat sich bei näherem Hinschauen weiter bestätigt. Regenbogenfarben an einem innerstädtischen Motel, an Geschäften und anderswo.
Diese Bodenplatte, eingelassen im Gehsteig, erzählt von Carlotta, einer australischen Cabaretkünstlerin und Fernsehberühmtheit. In den siebziger Jahren ließ sie eine geschlechtsangleichende Operation vornehmen, was durch ihre Bekanntheit zum öffentlichen Thema wurde. Sie trat bis Anfang der Neunziger im „Les Girls“ auf, eine touristische Attraktion, vielleicht ein wenig vergleichbar mit Romy Haag und dem „Chez Nous“ in Berlin. Unter anderem Carlottas Leben inspirierte zu dem tollen Film „Priscilla, Queen of the Desert“.
Australien schreibt sich auf die Fahnen, divers und der queeren Community gegenüber offen zu sein. Sie haben strenge Anti-Diskriminierungsgesetze, die dieses Land nicht nur in Großstädten, sondern an (fast) jedem Ort queerfreundlich sein lassen. Sydney selbst ist berühmt für das Mardi-Gras-Festival (eines der größten Gay-Pride-Evvents weltweit), welches im Februar und März mit riesiger Parade und diversen Veranstaltungen gefeiert wird.
Um die Ecke gibt es ein jüdisches Museum, das sich mit jüdischem Leben in der Kriegszeit und in Australien beschäftigt und eine Erinnerungskultur wachhalten möchte. Gegenüber im Park steht dieses Monument für die lesbischen und schwulen bzw. queeren Opfer des Holocaust.
So sieht es im Winter in Sydney aus. Bei strahlendem Sonnenschein konnten wir die Stadt ein wenig erkunden – allerdings bestand ohne Kopfbedeckung schon die Gefahr eines Sonnenstiches. In Auckland war alles etwas gemächlicher, in Sydney hat das Tempo schon sehr angezogen. In den Nebenstraßen ist es schmutziger, aber auch lebendiger.
Und heute endet mit dem Finale der Teil unserer Reise, der uns letztendlich hergeführt hat – es war sehr schön, aber mehr Fußball geht nicht. Ein würdiges letztes Spiel und das bessere Team hat gewonnen. England konnte den schnellen und präzisen Spielzügen der Spanierinnen nicht genügend entgegensetzen. Das Publikum war wirklich fußballbegeistert und richtig bei der Sache. Schon das hat viel Spaß gemacht.
Gar nicht weit von unserer Unterkunft sind wir auf einem kleinen Platz „Fitzroy Gardens“ an der El Alamein Fontaine einkaufen gegangen, immer samstags Organic Food Market. Vieles aus biologischem Anbau, beim Gözleme King waren wir uns aber nicht ganz sicher. Bei strahlendem Sonnenschein wurden Bänke, Treppenstufen und Rasen zum Sitzen genutzt und dabei leckeres Essen verputzt. Neben Tauben und Möwen bevölkern noch andere Vögel die Stadt.
Dieser nennt sich Australischer Ibis und läuft einer/m tatsächlich auf dem Bürgersteig zwischen den Füßen herum. Obwohl es in Sydney ungleich wärmer als in Auckland ist, kleiden sich die meisten Leute so, wie es unserem Kalt-Wärme-Empfinden entspricht. Wir konnten noch keine Flip-Flop-Träger:innen entdecken.
Auf dem Weg zur Fanzone, um das Spiel um Platz 3 (zwischen Schweden und Australien) zu schauen, haben wir unterschiedliche Orte gekreuzt, lange Alleen, Parks, Nebenstraßen im englischen Stil. Mehrere tausend Menschen haben sich vor den großen Leinwänden eingefunden. Der Boden wurde mit Plastik-Steck-Platten belegt und die Leute haben Decken und Tücher ausgebreitet, um das Spiel verfolgen zu können. In der Sonne machte es den Eindruck, als ob ein riesengroßes Picknick veranstaltet würde.
Als es dann dunkel wurde und das Spiel begann, saßen wir bei 14 Grad im australischen Winter draußen auf dem Boden und haben die Matildas leider verlieren sehen müssen. Trotzdem ist alles fair geblieben und die schwedischen Fans konnte sich sicher über den Sieg ihres Teams freuen.
Das Kapitel Neuseeland haben wir hinter uns gelassen, dafür ein neues aufgeschlagen. Über die Tasmanische See haben wir Australien erreicht und am Flughafen von Sydney unseren ersten Uber bestellt. Dieser hat uns auch sicher zu unserer neuen Unterkunft gebracht – eine wirklich zauberhafte und geschmackvoll eingerichtete Wohnung, die mitten im Innenstadtbezirk Darlinghurst liegt. Wir haben eine erste Runde gedreht und interessante Restaurants, einen gut sortierten kleinen Einkaufsmarkt und eben Großstadtleben entdeckt. In Auckland haben viele Geschäfte schon um 18:00 Uhr (oder früher) geschlossen und die Restaurants haben auch keine große Ausdauer gezeigt. Hier pulsiert es deutlich länger.