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Auf nach Piha

Wir sind zur Westküste Aucklands aufgebrochen, nach Piha an der tasmanischen See. So heißt der Pazifik zwischen Australien und Neuseeland. Der Weg dorthin abenteuerlich: enge Straßen, die sich kurvenreich durch dichten Wald winden. Ein ständiges Auf und Ab. Auffahrten zu Grundstücken gelinde gesagt erstaunlich, mit Steigungen von 40° bis 60° Grad. Wenn ein Auto zu langsam fährt, ist es üblich, dass es an der nächsten Möglichkeit links ausschert, um die nachfolgenden Autos durchzulassen. Das Meer strahlte eine große Ruhe aus, flache stetige Wellen strandeten an. Die Kraft des Ozeans ließ sich mit steigender Flut jedoch immer mehr erahnen. Schwimmen und Baden waren nicht erlaubt, ein paar mutige Surfer:innen gab es dennoch, die sich in die abendlichen Fluten stürzten. An dem – leider durch gesperrte Straßen nicht erreichbaren – Nachbarstrand von Karekare ist der Film „Das Piano“ gedreht worden, ein langer verlassener Strand mit sich in unterschiedlichen Höhen brechenden Wellen.

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King Fisher in Titirangi

Auckland zieht sich über eine riesige Fläche. Mit etwas mehr als 1,4 Millionen Einwohnern ist es die größte Stadt Neuseelands, in der ca. ein Drittel der Bevölkerung des ganzen Landes lebt. Von der Fläche her ist die Stadt größer als Groß-London. Sie hat einen inneren Kern, in dem auch unsere Unterkunft liegt. In alle vier Himmelsrichtungen liegen von der Ausdehnung her riesige Außenbezirke. Titirangi Beach befindet sich auf der westlichen Seite von Central-Auckland, am Manukau Harbour, einer Ausbuchtung vom Pazifik ins Land hinein. Durch dichten dschungelartigen Wald schlängelt sich ein Sträßchen steil nach unten bis an diesen Strand. Ein fotointeressierter Mensch hat uns auf verschiedene Vögel aufmerksam gemacht und tatsächlich haben wir einen neuseeländischen Eisvogel (king fisher) und einen neuseeländischen Austernfischer zu sehen bekommen.

Auch an diesem Strand sind die Auswirkungen der Februarflut bzw. des Zyklons zu sehen. Viele Wanderwege sind zerstört, Straßen gesperrt und Baustellen, so weit das Auge reicht.
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Linksverkehr

Ein „kleines Abenteuer“ liegt hinter uns, wir haben unseren Leihwagen abgeholt und sind etwas aufgeregt gewesen, auf der linken Seite in der Stadt zu fahren. Dazu kam noch, dass das Auto eine Automatikschaltung hatte, wir aber das Schalten mit Gängen gewöhnt sind. Also war erst einmal eine Googlesuche nötig, um uns dann in den Verkehr zu werfen. Dies ist erstaunlich gut gelungen, auch wenn eine ihre Konzentration hoch halten muss – um nicht in unbewusste gewohnheitsmäßige Reaktionen zu verfallen. So ist einige Male, statt den Blinker einzusetzen, der Scheibenwischer angegangen.

Am frühen Abend haben wir das erste Achtelfinalspiel gesehen (zwischen der Schweiz und Spanien), in einem sehr gut besetzten Stadion mit eindeutigen spanischen Siegerinnen gesehen.
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Neighborhood

Das gestrige frühe Ausscheiden der deutschen Fußballfrauen hat Christiane traurig und mich verärgert zurückgelassen. Davon mussten wir uns heute erst einmal erholen. Ganz in der Nähe unserer Unterkunft verläuft eine Hauptstraße, an der einige nette Läden zu finden sind, ein Biomarkt, ein Liquor-Shop (Alkohol kann eine/r nur in speziellen Geschäften oder richtig großen Supermärkten kaufen), ein Buchladen, eine Superette und natürlich Restaurants/Cafés/Kneipen. Hier sitzen die Leute v.a. am Wochenende zum Essen oder auch nur zum Trinken – oft draußen mit einer Art „Heizpilz“ an der Decke und Plastikverkleidung um die Tische herum. Das Warm-Kaltempfinden ist anders, als wir es gewohnt sind. Häufiger sind Leute in kurzen Hosen und Flip-Flops anzutreffen, selbst im Stadion bei einem Zwei-Stunden-Spiel.

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Mount Victoria (Takarunga)

Was wir gestern an Regen erleben durften, haben wir heute doppelt an Sonne zurückerhalten. Allerdings ist es kühl und nachts ist sogar leichter Frost angesagt. Die öffentlichen Verkehrsmittel zu nutzen beinhaltet auch das Fahren mit den Fähren. So haben wir eine Bootstour nach Devenport gamacht, um diesen kleinen Vulkankegel zu besteigen.

Auf dem Wege auf die vorgelagerte Halbinsel hatten wir einen schönen Blick auf die Habour Bridge, die Teile von Auckland über das Wasser verbindet, die sonst nur mit langer Anfahrt erreichbar wären. Auf der Insel angelangt, haben wir den Hügel bestiegen und eine tolle Aussicht auf weitere Inseln gehabt, beispielsweise Rangitoto Island:

Eine kaum bewohnte, naturbelassene Insel, deren einheimische Baumarten – wie auf den ganzen neuseeländischen Inseln – von den Possums aufgefressen wurden, sozusagen mit Stumpf und Stiel. Diese sind nicht mit dem Opossum (amerikanische Beutelratte) zu verwechseln, es sind australische Beuteltiere. Vögel gehören auch zu ihren Opfern. Auf Rangitoto werden diese Schädlinge nun bekämpft und die Baumpopulation hat sich wieder gut erholt. Noch ein Eindruck von der Rückfahrt:

Und was gibt es noch zu dem Trauerspiel Deutschland gegen Südkorea zu berichten…..? Nichts.
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Wetter, Gewächshäuser und Polynesien

Diese Nacht sind wir aufgewacht vom Rauschen der Blätter (bzw. der Äste bzw. der gesamten Baumkrone) und vom Prasseln des Regens auf unser Dach. Das Wetter ist, einfach zusammengefasst, feucht. Kein Wunder also, dass der Dschungel gedeiht und der Regenwald seinem Namen alle Ehre macht. Es wechselte von sintflutartigen Regenfällen zu Hagelschauern und dann zu strahlendem Sonnenschein.

Und wieder zurück im großen Stadtpark, in der Auckland Domain (Pukekawa), in einer Art botanischen Anlage, dem Wintergarten. Zwei wundervolle alte Gewächshäuser, die gerade mit hunderten blühenden Pflanzen bestückt worden sind, die Lust auf Wärme und wilde Farbenpracht machen.

Hier ein Augenblick Zwischenregenzeit am Auckland Museum – im Hintergrund brauen sich jedoch schon wieder die nächsten dunklen Wolken zusammen. In diesem wird viel zu Auckland und Maori, der Geschichte ihrer polynesischen Vorfahren und auch zur Natur, inklusive der seismischen Tätigkeiten der Vulkankegel ausgestellt. Unter anderem von Malaysia, den Philippinen oder auch Papua-Neuguinea aus sind die Polynesier vor Tausenden von Jahren, sozusagen Insel für Insel, in den pazifischen Raum gesegelt und haben Fiji, Samoa, Tonga, die Osterinseln, die hawaiianischen Inseln und zu guter Letzt Neuseeland (oder auch Aotearoa) entdeckt und besiedelt. In diesem Raum gibt es verschiedene Sprachen, die verwandt sind und gemeinsame Worte bzw. Wortursprünge haben.
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Stadtpark

Neben den Parks, die eher öffentlich zugängliche Sportplätze mit Begrünung sind, gibt es auch Grünanlagen, die mehr unserer Vorstellung von einem Park entsprechen: mit Bäumen, Bänken, Wasserflächen und vielleicht einem Pavillon.

Der Albert Park liegt zwischen alten und neuen Häusern und ist von schönen alten Bäumen bewachsen.
An der Universität entlang gelangt eine/r zu Aucklands ältesten öffentlichen Park, der Auckland Domain, einer der größten der Stadt. Hier ist alles höher gelegen mit einem tollen Blick auf den Hafen und über Teile der Stadt. Die Pflanzen gedeihen auch etwas wilder.

Abends wieder ab ins Stadion zu Portugal gegen USA. Die Fans bunt gewandet und bei den US-Anhänger:innen auch ab und zu ein Regenbogen. Portugal hat toll gespielt und ein Sieg hätte ihrer sein sollen – so haben sie nur unentschieden gespielt und sind ausgeschieden.

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Matariki

Einige Lichtinstallationen sind noch vom Feiertag Matariki übrig. Dies ist ein ganz besonderer, da Neuseeland offiziell als eines der ersten Länder der Welt einen indigenen Feiertag wieder einführt. Damit wird das Te Ao Maori (einfach übersetzt „Maori-Welt“, aber mit komplexen Bedeutungen) anerkannt, in diesem Fall der Beginn des neuen (Maori-)Jahres. Im vergangenen Jahr wurde dieses das erste Mal im ganzen Land begangen. Der Tag wechselt von Ende Mai bis Mitte Juli, da er mit dem Erscheinen eines Sternenhaufens (Matariki) beginnt, bei uns bekannt als die „Plejaden“ oder „Die sieben Schwestern“. Von den vielen Sternen sind sieben mit bloßem Auge erkennbar, die alle einzeln bestimmte Bedeutungen haben. An diesem Tag wird an die gedacht, die seit dem letzten Matariki gegangen sind, es wird die Gegenwart gefeiert und mit denen zusammengekommen, die unsere Familie bilden. Und es wird in die Zukunft geschaut und mit Vorfreude auf das neue Jahr geblickt. Gemeinsam Essen zu teilen spielt eine wichtige Rolle beim Genießen dieses Festes.

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Heute nichts Besonderes
Schon gestern musste Christiane das Bett hüten und heute wurde es nicht wirklich besser. Deshalb gibt es nicht viel zu berichten. Im Stadion habe ich Norwegen versus Philippinen gesehen und war sehr beeindruckt von der breiten Unterstützung, die die Filipinas von den Fans erhalten haben. Schon die Hymne sang das ganze Stadion mit, immer wieder wurde „Filipinas, Filipinas“ skandiert und wenn auch nur die Torfrau einen Ball gefangen hat, ging das ganze Stadion mit. Die Norwegerinnen waren weit überlegen und trotzdem haben sie nicht alle Chancen ausgespielt. Es leben viele Philippiner:innen in Neuseeland (und auch in Australien), daher das große Mitfiebern.

Deutschland versus Kolumbien habe ich in der Fan-Basis gesehen und war ganz hingerissen von dem tollen Spiel, vom Ergebnis etwas weniger…
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Fast am Ozean

Dies ist die Coxs Bay, eine von vielen Buchten, die Aucklands Küste säumen. Sie führt in den Waitemata Harbour und dieser in den Hauraki Gulf, welcher dann erst mit dem Pazifik in Verbindung steht. Der Stadt sind viele Inseln vorgelagert und eine große Landzunge (Coromandel Peninsula) legt sich schützend vor das Festland. Um den Ozean zu erreichen, ist eine längere Schifffahrt nötig.

Und hier noch etwas aus dem hiesigen Supermarkt. Unklar, ob dies nun ein Fortschritt ist oder eher der Betäubung dient…
