Heute haben wir unseren letzten ganzen Tag in Neuseeland verbracht und nach vier Wochen ist es nicht leicht, Tschüss zu sagen und weiterzuziehen. Was bleibt noch zu sagen? Vielleicht, dass Auckland die größte polynesische Stadt der Welt ist. Ca. elf Prozent sind Nachkommen der Ureinwohner und 14 Prozent zugewanderte Menschen aus anderen polinesischen Inseln oder Gebieten. Wir haben so viele unterschiedliche Eindrücke gewonnen und vielleicht waren wir auch nicht das letzte Mal hier…
Durch die Überschwemmungen im Januar und den Taifun, der zwei Wochen später den Aucklandraum heimsuchte, gibt es viele Schäden an Wegen und abgerutschte Waldstücke. Aus diesen Gründen fiel es uns schwer, auf eigene Faust durch den Regenwald zu wandern, viele Strecken, Straßen und Bereiche sind gesperrt. Wir haben uns einer geführten Tour angeschlossen, die uns erst an einen ganz schönen Strand geführt hat. Obwohl ein paar Menschen dort herumspazierten, fühlte es sich an, als ob wir ganz allein wären – ein wenig Wind, strahlender Sonnenschein, kaum Wasserbewegung und eine ungewöhnliche Stille. Ein friedlicher Ort!
Als wir dann durch den Wald liefen, fing es an zu regnen und die Feuchtigkeit gab den Blättern und Pflanzen einen besonderen Glanz. Eine schöne Stimmung, wenn auch ganz anders als am Strand. Wir haben viel über neuseeländische Bäume gelernt, die meist immergrün sind. Ein Baum, der von Auckland bis an die Nordspitze der Insel vorkommt, ist der Kauribaum. Es ist der zweithöchste Baum der Erde, kann über 2000 bis 2500 Jahre alt werden und liefert ein gutes Bauholz. Die Häuser in der Umgebung, in der wir untergekommen sind, bestehen größtenteils aus Kauriholz, das vor hundert Jahren fast nur verbaut wurde. Leider wurden viel zu viele abgeholzt und dazu kommt noch eine Krankheit (aus Korea), die die Kauribäume befällt und sie sterben lässt. Den Maori ist dieser Baum heilig und sie haben sich dessen Schutz angenommen. Um in einen Wald zu gelangen, müssen die Schuhe abgebürstet und desinfiziert werden, damit nichts zu den Bäumen eingetragen werden kann. Die Maori haben zum Schutz auch große Waldgebiete für die Öffentlichkeit gesperrt, eine weitere Schwierigkeit für das individuelle Herumwandern.
Heute gab es viel zu laufen, zu schauen, zu genießen, zu entdecken und zu fahren. Von Paihia sind wir zu den Haruru Falls gefahren, der Beginn einer kleineren Wanderung.
Auf und ab durch üppige Vegetation, an Baumfarnen entlang, manchmal einen Blick auf das Flussdelta erhaschend, aus dem sich das Wasser gerade zurückgezogen hat. Begleitet von einigen Hühnern, die uns ein Stück des Weges wiesen, haben wir noch andere Wildvögel sehen können.
Durch die Zweige und Blätter konnten wir eine Kolonie schwarz-weißer Kormorane entdecken, auch Elsterscharben genannt. Sogar ein Kingfisher/neuseeländischer Eisvogel flog vorbei.
Und am Ende unseres Weges führte uns ein Holzsteg durch einen Mangrovenwald, der sonst kaum zu betreten ist.
Dieser wundervolle Blick über die Bay of Islands findet sich bei Waitangi. Dieser Ort spielt eine grundlegende Rolle für den Staat Neuseeland, weil hier 1840 der Friedensvertrag zwischen den einflussreichsten Häuptlingen der Maori und der britischen Krone geschlossen wurde. Auf den Treaty Grounds wurde damals die „Quasi“-Verfassung des heutigen Neuseelands geschaffen.
Und noch einmal Hundertwasser: In Whangarei haben wir einen Abstecher ins (schon gestern erwähnte) Museum gemacht, das nach seinem Wunsch eine eigene Galerie ausschließlich für Maori-Künstler:innen geschaffen hat. Hundertwassers ökologische Ideen sind beispielsweise in einem Dachgarten umgesetzt worden.
Nach all diesen Eindrücken sind wir am Abend ins Stadion geeilt, um uns das spannende Halbfinale zwischen Spanien und Schweden anzuschauen. Die Zuschauer:innen sind jubelnd aufgesprungen, als Spanien das erste Tor schoss. Um dann dasselbe für die Schwedinnen zu tun, als diese den Ausgleich erzielten. Beim 2:1 für Spanien brodelte das Stadion, um dann die spanische Torhüterin auszubuhen, als diese Zeit herausschinden wollte. Verstehe dieses Publikum, wer wolle!
Nachdem es uns die letzten Male in den Süden der Nordinsel gezogen hat, sind wir nun in den Norden gereist. Immer weniger Menschen leben dort, bis es an der Nordspitze keine Unterkünfte und Tankstellen mehr gibt. Die Natur ist weniger lieblich. Zwar gibt es noch dieses Auenlandgrün, doch haben sich mehr Bäume angesiedelt. Es wirkt, als warteten die Pflanzen nur darauf, dass die Menschen sich zurückziehen, um sich dann in ihrer Wildheit ausbreiten zu können.
Als wir bei der Reiseplanung zufällig auf diese von Friedensreich Hundertwasser gestaltete Toilette gestoßen sind, haben wir es erst nicht glauben können. Aber tatsächlich: Hundertwasser hat die letzten Jahrzehnte seines Lebens in Kawakawa verbracht und ist Neuseeländer geworden.
Hundertwasser ist in Neuseeland nicht wirklich berühmt, bekannt nur wegen seiner Toilette, die er der Stadt aus Dankbarkeit schenkte. In Whangarei als nächst größerem Ort ist ein von ihm angedachtes Projekt nach seinem Tode verwirklicht worden, das nun zum letzten Hundertwasserhaus geworden ist und zum einzigen Museum seiner Kunst außerhalb von Wien.
Und noch eine Frage, die sich während der Recherche auftat: Was macht Ihr am 19. November? Da ist Welttoilettentag. Auf nach Kawakawa!
Was wäre eine Reise nach Neuseeland ohne einen Besuch vom Auenland (the shire) und Hobbingen? Der Schauplatz des Beginns der Reise ist liebevoll mit Details versehen, die diesen Ort so schön erscheinen lassen (aufgehangene Wäsche, Pfeife und Zeitung,…).
39 Hobbithöhlen wurden in diese hügelige Landschaft gebaut, in unterschiedlichen Größen. Manchmal um den Größenunterschied zwischen Hobbits und Gandalf, dem Zauberer, zu zeigen, dann sind die Höhlen viel kleiner. Oder um das Hineingehen zu filmen, dann sind die Höhlen in üblicher Höhe. Beim Öffnen einer Tür ist es so, als ob eine/r in einen leeren begehbaren Kleiderschrank treten würde. Die Innenaufnahmen wurden im Studio gemacht.
Bilbo Beutlins Hobbithöhle, mit Blick über Hobbingen und den Festplatz. Und in der Taverne zum grünen Drachen konnten wir einen Apfelcidre trinken. Gleich mehrere Filmszenen erstehen vor dem inneren Auge und haben das Auenland lebendig werden lassen.
Nach der hügeligen sanften Landschaft sind wir weiter nach Waitomo gefahren (worden) und haben uns in die Unterwelt begeben – Tropfsteinhöhlen aus Kalkstein, die tief in die Erde reichen und die sich beim letzten größeren Erdbeben Anfang des Jahres als erdbebensicher herausgestellt haben. Am unteren Ende befindet sich Wasser, ein Flüsschen vielleicht, wo wir in ein Boot gesetzt worden sind und bei völliger Dunkelheit einem wahrhaft magischen Schauspiel beiwohnen durften. Tausende von Glühwürmchen erhellen die Decke – sind es weniger, dann ist es, als ob eine/r den Sternenhimmel betrachtet. Rücken die glühenden Würmchen mehr zusammen, dann scheint es, als ob sich ein Blätterbaldachin schützend über eine/n legt und das erste Dämmern Licht hineinbricht.
Wir haben uns ziemlich weit hinausgewagt, sind mit einem Exkursionsschiff (ähnlich einer Fähre) in den Gulf von Hauraki gefahren und haben fast die Little und Great Barrier Islands passiert, hinter denen der Südpazifik beginnt. Delfine in verschiedenen Gruppen haben uns besucht und uns immer ein Stück begleitet. Manchmal schauten so viele Rückenflossen aus dem Wasser, dass sich eine/r, wären es Haie gewesen, wirklich hätte Sorgen machen müssen.
Nach einigen Stunden Fahrt und viele Delfine später konnten wir in der Ferne Gischtfontänen sehen und Rückenflossen zeigten sich kurz vor unseren Augen. Dann drehte sich ein Wal spielerisch an der Wasseroberfläche – und wir mussten wieder die Heimreise antreten. Vögel segelten über unsere Köpfe hinweg oder schwammen gemütlich auf dem Wasser. Von Christiane habe ich gelernt, dass es Basstölpel sind, für die manche Fotografierenden nach Helgoland reisen, um sie dort nisten zu sehen.
Ein ganzes Gebiet übersät mit kleinen oder großen rauchenden Schloten, Schlammbecken und sogar Geysiren. Einmal unter städtischer Verwaltung, der andere Teil in Selbstverwaltung der Maori, werden alte Traditionen weiterentwickelt (eine Schule für verschiedenste Arten des Schnitzens und eine für das Weben – für uns leider sehr althergebracht, Frauen dürfen nämlich nicht schnitzen) und ein Maoridorf zeigt Gebräuche für die Touristen. In Rotorua besteht die Bevölkerung zu 30% aus Maori, was der höchste Anteil in ganz Neuseeland ist.
Beide Orte sind für sich genommen magisch – morgens im Sonnenlicht durch die Schwefelschwaden zu wandeln, heilsamen Schlamm brodeln und Geysire ausbrechen zu sehen. Tatsächlich wird dieser Heilschlamm in Krankenhäusern verwendet. Regelmäßig schießen Wasserfontänen in die Höhe. Besucher:innen können auf heißen Steinen sitzen und diesem Schauspiel beiwohnen. Verschiedene Farben leuchteten in der Sonne, gelber Schwefel, rostbraunes Eisen, grünliches Kupfer,…
Wer übrigens meint, dass die deutsche Sprache zu lange zusammengesetzte Worte erschaffen würde, der sei mit Maori eines Besseren belehrt (bedeutet übrigens ungefähr „der Kriegstanz der Kriegsparteien von Wahiao“): WHAKAREWAREWATANGAOTEOPETAUAAWAHIAO
Und nach diesen vielen Eindrücken sind wir abends noch ins Stadion gepilgert, um das Viertelfinale zwischen Japan und Schweden zu sehen. Tolles und spannendes Spiel, leider musste ein Team verlieren. Interessanterweise schlagen sich die vielen neuseeländischen Zuschauer:innen meist auf eine Seite, tragen dann auch Farben und Fahnen dieses Teams und gehen mit großer Leidenschaft mit. An diesem Abend waren es die Japanerinnen, die die ganze Arena hinter sich hatten und angefeuert wurden, noch den Ausgleich zu erzielen.
Jetzt haben wir Auckland verlassen und sind mit dem Auto drei Stunden nach Süden gebraust. Dabei haben wir Teile des Auenlandes durchquert, Landschaft mit sanften grünen Hügeln, auf denen friedlich Kühe grasten. Die Sonne strahlte über diese Idylle, um Minuten später von dunklen, sich am Himmel aufbauschenden Wolken und pladderndem Regen verdrängt zu werden. So stark der Regen, dass selbst die Neuseeländer:innen langsam und auf der linken Seite gefahren sind.
Wegen der langen Strecke haben wir uns für eine Nacht in ein kleines, wirklich bezauberndes Motel eingebucht. Rotorua ist bekannt für seine Schwefelquellen, durch die Gegend zieht ein Hauch von vor sich hin gammelnden Eiern (Schwefelwasserstoff). In dieser Stadt, auch Sulphur-City genannt, zeigt uns die Erde, dass sie einen flüssigen Kern hat, denn überall brodelt und dampft es aus dem Boden heraus. Rotorua liegt in einer Vulkanzone, in der Brüche in der Erdkruste verlaufen.
Von einer überfüllten Autobahn über den nächsten Verkehrsinfarkt sind wir an einen ganz wunderschönen Ort gelangt – zwar von Menschenhand gemacht, aber dennoch irgendwie magisch. Dieser wirklich liebevoll angelegte Garten oder vielleicht besser Parkanlage ist innerhalb fester Zeiten für alle frei zugänglich. Die Abwässer der umliegenden Häuser, Parkplätze und Straßen werden über eine natürliche Kläranlage durch das Gelände geführt, so dass das Wasser am Ende sauber(er) ablaufen kann.
Trotz tiefsten Winters blüht und grünt es, überall gibt es wundersame Blumen zu entdecken. Eine Magnolienallee führt uns in eine langgezogene Kamelienschlucht, in der immer wieder süßer verführerischer Duft lockt, von Pflanzen, die uns wenig bekannt sind. Ob der Größe des Gartens schier erschlagen, haben wir nur einen Bruchteil schauen können.
Wir haben uns aufgemacht, ein wenig in der Stadt herumzubummeln, um dann abends Fußball beim Fan-Festival am Hafen zu schauen (Kolumbien-Jamaika war ein so schlimmes Spiel, dies gilt es schnell zu vergessen). Es zeigt sich zu verschiedenen Gelegenheiten, wie gern neuseeländische Menschen in Kontakt gehen, wenn ihnen jemand die Gelegenheit dazu gibt. Aus einer einfachen Frage oder einem ihnen bekannten Detail (z.B. einer Fußballmütze) entwickelt sich ein nettes Gespräch. Nur einmal haben wir eine aufgebrachte Frau erlebt, die extra aus ihrem Auto gestiegen ist, um uns wütend mitzuteilen, dass wir zu langsam fahren und eine Gefahr für die Allgemeinheit darstellen würden. Auf der Suche nach etwas Essbarem haben wir viele kleine Imbisse vorgefunden, oftmals in einer Reihe nebeneinander liegend. Für viele Geschmacksrichtungen ist etwas dabei, scheinbar ist Kebap besonders beliebt.